Donnerstag, 21.09.17
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EU-Umweltagentur warnt vor gesundheitlichen Gefahren des Mobilfunks (Nov 07)

Im ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ sagte die Direktorin der Europäischen Umweltagentur (EEA), Professor Jacqueline McGlade: „Handys mögen schwach strahlen, aber es gibt genügend Beweise für Wirkungen auch bei schwacher Strahlung, so dass wir jetzt handeln müssen. Es gibt klare Beweise, dass Handy-Nutzer, die ihr Handy etwa 460 Stunden im Jahr über einen Zeitraum von 15 Jahren genutzt haben, ein deutlich erhöhtes Risiko an gewissen Hirntumoren zu erkranken, aufweisen.“ Die Europäische Umweltagentur in Kopenhagen bezieht sich hierbei auf einen 600-seitigen Bericht der so genannten „Bioinitiative Group“ – einen Zusammenschluss von Wissenschaftlern – die 2000 Studien zur Wirkung von Elektromagnetischen Feldern ausgewertet haben. Ein zentrales Ergebnis im Bericht: „Nach mehr als 10 Jahren Handynutzung erhöht sich das Hirntumorrisiko um 20 bis 200%“.

Außerdem gebe es, so die EEA-Direktorin McGlade, durch Mobilfunkstrahlung unterhalb der geltenden Grenzwerte Effekte in menschlichen Zellen: „Sie stören Zellprozesse, den Signalaustausch zwischen den Zellen. Wenn das über einen längeren Zeitraum passiert, können diese Störungen natürlich zu Langzeiteffekten wie Krebs führen.“ Deshalb rät die EU-Umweltagentur dazu, die geltenden Grenzwerte im Hinblick auf solche biologischen Effekte neu zu definieren und damit zu senken. Bisher sind allein thermische Effekte, also die Erwärmung von Gewebe durch Mobilfunkfelder, ausschlaggebend für die Festlegung der Grenzwerte.

Eine Senkung der Grenzwerte forderte im REPORT MAINZ auch Prof. Franz Adlkofer, Koordinator des von der EU finanzierten Mobilfunkforschungsprogramms REFLEX. In mehreren Versuchsreihen der REFLEX-Forscher waren im Zellversuch gentoxische Effekte durch Mobilfunkfelder unterhalb der Grenzwerte festgestellt worden. In einer noch nicht publizierten Versuchsreihe mit der modernsten Handytechnologie UMTS seien diese Effekte bestätigt worden, nämlich DNA-Strangbrüche und Mikrokernbildung.

Die EU-Umweltagentur sieht beim Thema Mobilfunk Parallelen zu anderen Umweltrisiken wie Asbest, Röntgenstrahlen, Rauchen oder Bleibelastungen. In der Vergangenheit seien viel zu oft Umweltrisiken unterschätzt worden. Diesen Fehler sollte man beim Mobilfunk nicht noch einmal machen. Die EEA-Direktorin Prof. McGlade sagte im ARD-Politikmagazin: „Warum die Bevölkerung einer Gefahr aussetzten, wenn man jetzt was tun kann. Es ist Zeit für uns alle, öffentliche Entscheidungsträger, Eltern, jeden Einzelnen in der Gesellschaft, sich den Hinweisen bewusst zu werden und dementsprechend zu handeln.“