Antibiotika und steroidale Nasensprays keinen Nutzen bei Sinusitis (Dez 07)

Die Saison der infizierten Nasennebenhöhlen ist wieder voll im Gange. Am häufigsten wandern zur Therapie Antibiotika und Nasensprays mit lokalen Steroiden über den Apothekentisch. Eine Studie aus Großbritannien ernüchtert jetzt pünktlich zum Winteranfang: Beides bringt nichts.

Die akute Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) gehört zu den häufigsten saisonalen Erkältungskrankheiten. Und sie ist mit Sicherheit einer der wichtigsten Gründe für die Verordnung von Breitspektrumantibiotika. Zahlen für Deutschland existieren wie üblich nicht. Aber in den USA und Großbritannien erhalten etwa neunzig Prozent aller Patienten mit akuter Sinusitis ein Antibiotikum. In den Niederlanden sind es achtzig Prozent und in Norwegen 67 Prozent. Ebenfalls schwer in Mode sind lokale Steroide wie Budesonid, die – so die Vorstellung – die Entzündungsreaktion der Schleimhaut kontrollieren und eine Chronifizierung verhindern helfen.
Nach zehn Tagen hat noch jeder dritte Beschwerden!
Ärzte um Ian Williamson von der Universität Southamptom haben jetzt in einer bei Hausärzten angesiedelten Studie untersucht, was Amoxicillin und Budesonid in der klinischen Realität der ambulanten Versorgung wirklich bringen. Amoxicillin ist auch in Deutschland die meistverordnete antibiotische Substanz bei dieser Indikation. Budesonid gewinnt zunehmend Anhänger. Insgesamt 240 Patienten nahmen an der randomisierten, placebokontrollierten Untersuchung teil und wurden einer von vier Gruppen zugeordnet. Sie erhielten entweder dreimal 500 Milligramm Amoxicillin für sieben Tage plus 200 Mikrogramm Budesonid pro Nasenloch und Tag für zehn Tage oder aber Placebo oder aber jeweils eine der Verum-Therapien plus Placebo. „Unseres Wissens ist das die größte nicht von der pharmazeutischen Industrie unterstützte Doppelblindstudie zu Amoxicillin bei der akuten Sinusitis im Hausarztkontext, und die bisher einzige Studie zu Budesonid in diesem Setting mit angemessener statistischer Power“, betont Williamson.
Das Ergebnis ernüchterte mächtig: Weder das auch in deutschen Leitlinien empfohlene Amoxicillin noch Budesonid hatten irgendeinen Effekt. Nach zehn Tagen hatte bei Behandlung mit dem Antibiotikum noch knapp ein Drittel der Patienten Beschwerden. Ohne Antibiotikum waren es fast genauso viele. Budesonid alleine oder in Kombination brachte ebenfalls keinen Nutzen: Jeder dritte Patient berichtete nach zehn Tagen immer noch über Symptome, ob mit oder ohne Steroid.
Nase voll: Was tun?
Das Ergebnis von Williamsons Studie steht formal im Widerspruch zu einem Cochrane-Review aus dem Jahr 2003. Hier wurde nach Auswertung von 49 Studien ein gering positiver Effekt der Antibiotikatherapie festgestellt, der allerdings nur für Penicillin, nicht aber für Amoxicillin, das Signifikanzniveau erreichte. Williamson weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ein großer Teil der in der Cochrane-Metaanalyse berücksichtigten Studien in HNO-Praxen angesiedelt war. „Wir haben wesentlich strengere Kriterien an die Definition einer akuten Sinusitis angelegt, was bedeutet, dass der Gesamteffekt bei einer weniger selektierten Population im Hausarztkontext wahrscheinlich noch geringer ist als in unserer Studie“, so der Experte.

Insgesamt ist sein Fazit ziemlich ernüchternd: Bei Patienten mit den typischen Zeichen einer bakteriellen Sinusitis können weder Antibiotika noch Steroide allein oder in Kombination die Dauer oder den Verlauf der Erkrankung ändern oder auch nur die Symptome lindern. Lediglich für Patienten mit sehr gering ausgeprägten Symptomen zeigten sich Vorteile einer Therapie mit Budesonid gegenüber Placebo. Das allerdings sind jene Patienten, bei denen sich ohnehin die Frage nach einer Sinnhaftigkeit der Therapie stellt. Der Arzt hat jetzt ein Problem. Der Apotheker dagegen kann nach Williamsons Studie mit noch mehr Überzeugungskraft klassisch-symptomatische OTC-Therapien empfehlen, vom Schleimlöser über die Inhalation, die Rotlichtbehandlung und das Meerwasserspray bis zum Phytotherapeutikum. Der Winter kann kommen!

 

Essen ohne Entzündungsrisiko: Einfach mehr Obst und Gemüse (Juli 07)

Unsere Ernährung hat einen direkten Einfluss auf das Entzündungsgeschehen im Körper wie aktuelle epidemiologische Studien zeigen. Dabei schnitt die hier zu Lande übliche fett- und eiweißreiche Kost mit einem hohen Anteil tierischer Produkte deutlich schlechter ab als eine pflanzlich betonte Ernährungsweise mit viel Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte. Wichtig ist diese Erkenntnis, weil chronische Entzündungen der Nährboden für die Entstehung vieler Krankheiten sind, wie z.B. Diabetes mellitus Typ II und Arteriosklerose mit ihren Folgen, dem Herzinfarkt und Schlaganfall.

Nach einem deftigen Frühstück mit Eiern und Speck sind typische Entzündungsmarker des Blutes wie das C-reaktive Protein (CRP) oder der Tumornekrosefaktor alpha noch Stunden erhöht. Ein hoher Obst und Gemüseverzehr wirkt dagegen offenbar entzündungshemmend; eine tägliche Zusatzration von 280 g Kirschen pro Tag ließ das CRP in einer Interventionsstudie um 30% sinken. Eine ausschlaggebende Rolle scheinen dabei die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe zu spielen: Carotinoide, Flavonoide, Phenolsäuren und Sulfide haben sowohl immunstimulierende als auch eine antientzündliche Wirkungen.

Zink, Chrom und Zimt helfen den Blutzucker zu senken (Jan. 07)

Anhand aktueller Studien konnte belegt werden, dass die beiden Spurenelemente Zink und Chrom den Blutzucker senken und die Insulinwirkung an der Zelle verstärken können. Die Gabe von Zink, Chrom und Zimt konnten den Blutzucker bei Typ 2 Diabetikern um bis zu 30% senken. Weitere Studien zeigten, dass Diabetiker bis zu zehnmal mehr Zink und Chrom über den Urin verlieren als Gesunde. Daher leiden viele Diabetiker unter einem Zink-Chrom-Mangel und dies verschlechtert die Insulinwirkung deutlich. Da Zink, Zimt und Chrom insbesondere die Wirkung des Insulins verstärken, indem sie die Insulinresistenz vermindern und die Wirkung des Hormons an den Zellen verbessern, eignen sie sich zur Stoffwechseloptimierung sowohl bei Typ 1 und Typ 2 Diabetikern. Idealerweise werden Chrom und Zimt zusammen – aber vom Zink getrennt – eingenommen, denn Chrom und Zink hemmen sich gegenseitig bei der Aufnahme. Eine optimale Zinkversorgung ist nur über eine gezielte Nahrungsergänzung möglich, da die meisten Lebensmittel eher Zinkarm sind. Es ist zu beachten, dass organische Zinkverbindungen wie Zinkorotat oder Zinkhistidin der anorganischen Form wie Zinksulfat überlegen sind, da ihre Bioverfügbarkeit höher ist. Der Konsum von Cola-Getränken, auch Cola light, verhindern eine gute Zinkversorgung!

Da über 90% der fünf Millionen Typ 2 Diabetiker in Deutschland übergewichtig sind, ist auch eine Gewichtsreduzierung unbedingt notwendig. Allerdings kann der Diabetes-Patient trotz des Übergewichtes viele unentdeckte Nährstoffmängel aufweisen, denn ein dicker Bauch ist lediglich ein Zeichen zu vieler Kalorien und nicht das Zeichen einer ausgewogenen Ernährung!

Grosse Akupunkturstudie belegt Wirksamkeit (Juni 05)

Akupunktur wirkt, ist sicher und erhöht die Lebensqualität! Zu diesem Schluss kamen die Wissenschaftler der Berliner Charite, nachdem sie über drei Millionen Akupunktur-Behandlungen ausgewertet haben.

Da viele Patienten die Akupunktur wünschen und die Weltgesundheitsorganisation WHO die Nadeltherapie bei 54 verschiedenen Erkrankungen als ergänzende therapeutische Maßnahme für sinnvoll erachtet, hat die Techniker Krankenkasse Ende 2000 ein „Modellvorhaben Akupunktur“ begonnen. Im Rahmen der noch bis 2008 laufenden Studie, an der inzwischen 12 weitere Krankenkassen teilnehmen, sind bisher deutschlandweit über 360’000 Patienten behandelt worden.
Nach der Akupunkturbehandlung berichteten beispielsweise neun von zehn Allergiker sowie drei von vier Patienten mit Kopf- oder Lendenwirbelsäulenschmerzen, ihnen würde es besser gehen. Asthma, Arthrose-, Halswirbelsäulen- oder Menstruationsbeschwerden besserten sich bei vier von fünf Probanten durch die Nadelbehandlung.

Fazit: von den Studienteilnehmern, die zusätzlich zu einer herkömmlichen Behandlung (z.B. Schmerzmedikation) eine Akupunkturserie erhielten, berichteten zwischen 73 und 90% von einer Besserung und diese positiven Effekte blieben über ein halbes Jahr bestehen.
Nur jeder zehnte Patient gab an, Nebenwirkungen der Akupunktur beobachtet zu haben. In den meisten Fällen waren es Blutungen oder Blutergüsse an den Einstichstellen die wenig belastend sind; schwere Nebenwirkungen wurden nicht dokumentiert.

Die Reizung von Akupunkturpunkten gehört zu den ältesten Heilmethoden auf der Welt und wird schon seit Jahrtausenden von erfahrenen Naturheilkundlern angewandt. Durch Einstiche an genau festgelegten Punkten können Störungen im Körperinneren gelindert und beseitigt werden. Diese Punkte liegen alle auf Leitlinien, die als Meridiane bezeichnet werden. In Ihnen kreist die Körperenergie und bei Organschwächen oder Erkrankungen des Organismus kommt es zur Blockade und zur Unterbrechung dieses Flusses. Somit wird verständlich, dass auch fern vom Ort eines Schmerzgeschehens gelegene Akupunkturpunkte in der Behandlung eine Rolle spielen können. Denn häufig muss der Therapeut energetisch den gesamten Meridian als Funktionskreis stabilisieren (und nicht nur eine kleine lokale Stelle), um wirkungsvoll eine Krankheit zu bekämpfen.

Hochdosiertes Vitamin C tötet Krebszellen (Okt. 06)

Vitamin C ist in unserem Körper an einer Vielzahl von Stoffwechselprozessen beteiligt. Zu nennen sind unter anderem: die Abwehrstärkung und Immunstimulation, das Nerven- und Hormonsystem, die Anregung der körpereigenen Entgiftungsmechanismen, die Regulation des Fettstoffwechsels, die Bildung und Funktionserhaltung von Knochen und Bindegewebe sowie die Beschleunigung der Wundheilung. Vitamin C ist darüber hinaus der wichtigste Radikalenfänger im menschlichen Körper und spielt eine entscheidende Rolle z.B. bei entzündlichen Erkrankungen und Strahlenbelastung.

„Die Ärzte-Zeitung“ berichtete am 14.09.2005 ebenso wie „Spiegel online“ am 13.09.2005 und die „FAZ“ am 18.09.2005 von den Ergebnissen einer amerikanischen Studie des „National Institutes of Health“ in Bethesda/USA : dort wurde an Zellkulturen die krebsabtötende Wirkung von hochdosiertem Vitamin C nachgewiesen. Die Wissenschaftler untersuchten die Wirkung von Ascorbinsäure an zehn Krebszelllinien und vier Kulturen gesunder Körperzellen. Das Ergebnis war eindeutig: Das Vitamin C tötete gezielt die Krebszellen ab, während die gesunden Zellen nicht geschädigt wurden!
Damit die Tumorzellen tatsächlich abstarben, musste Vitamin C jedoch in sehr hohen Konzentrationen von 8-10g verabreicht werden, wie sie nur durch eine Infusion direkt in die Vene erreicht werden können. Die Ascorbinsäure führt zur Bildung von Wasserstoffperoxid, welches den Tod der Krebszellen verursachte, stellten die Forscher weiter fest. Wasserstoffperoxid entstand dabei jedoch nur in der unmittelbaren Umgebung de Zellen und nicht im Blut. Das Blut sei deshalb ein ideales Transportmittel, mit dem intravenös verabreichte Ascorbinsäure zu den verschiedenen Geweben befördert werden könne, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (Bd. 1202, S.13604). Zudem könnte die Ascorbinsäure auch für die Behandlung von Infektionskrankheiten verwendet werden, denn Wasserstoffperoxid spielt im Immunsystem eine wichtige Rolle in der Abwehr von Bakterien und Viren.

Zusammenfassend sind die Ergebnisse der o.g. Studie aus folgenden Gründen wichtig:

1. Sie bestätigt Ergebnisse früherer in vitro Studien, dass Vitamin C Tumorzellen zerstören kann.

2. Sie zeigt klar, dass Vitamin C diese Wirkung nur in hohen Konzentrationen zeigt, die nur über die parenterale Gabe möglich sind.

3. Sie zeigt klar, dass Vitamin C für Tumorzellen toxisch, für normale Zellen aber harmlos ist.

4. Sie zeigt, das Vitamin C Tumorzellen durch Herstellung von Wasserstoffperoxid im extrazellulären Raum zerstört.

5. Sie zeigt, dass Vitamin C kein Wasserstoffperoxid im Blut generiert.

6. Die Autoren schließen daraus, dass die Generierung von Wasserstoffperoxid durch den parenteralen Einsatz von hoch dosiertem Vitamin C auch die Behandlung von Infektionen unterstützt.

In der Onkologie gibt es somit drei interessante Bereiche für den Einsatz von Vitamin C Infusionen:

  • 1. Abschwächung der toxischen Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie
  • 2. Verstärkung der Chemotherapie, was eine Reduzierung des Chemotherapeutikums ermöglich könnte.
  • 3. Direkte tumortoxische Wirkung von Vitamin C selbst (in Grammmengen).

(Qi Chen, Michael Graham Espey, Murali C. Krishna, James B. Mitchell, Christopher P. Corpe, Garry R. Buettner, Emily Shacter and Mark Levine: Pharmacologic ascorbic acid concentrations selectively kill cancer cells: Action as a pro-drug to deliver hydrogen peroxide to tissues)

Die Studienunterlagen wurden mir von der Firma Pascoe zur Verfügung gestellt.

Der Mythos vom Kochsalz und dem Bluthochdruck (Juli 06)

Entgegen einem hartnäckig am Leben bleibenden Mythos ist ein Zuviel an Kochsalz in der Nahrung in den wenigsten Fällen der 20 Millionen Bluthochdruckpatienten in Deutschland Ursache oder aufrecht erhaltender Faktor der Krankheit.
Halbwahrheiten, fehlinterpretierte Tierstudien sowie falsche Verzehrsannahmen über den Salzkonsum der Bevölkerung erhalten eine seit Jahrzehnten existierende Legende, die das Salz zum Feinbild jedes Hypertonikers machte.

Die These der salzbedingten Blutdrucksteigerung basierte auf der Tatsache, dass Salz Wasser bindet und dadurch müsste das Blutvolumen und somit zwangsläufig der Blutdruck ansteigen. Erst in den 90er Jahren erkannte die Forschung, dass der Organismus wesentlich differenzierter reagiert und die Regelmechanismen komplexer sind. Lediglich 15% – jeder sechste Betroffene – reagiert auf eine Salzreduktion mit einer leichten Senkung des Blutdrucks. Diese Patienten werden als „salzsensitive“ Menschen bezeichnet. Trotz vieler Versuche von Forschern in aller Welt gelang es bis heute nicht, einen kausalen Zusammenhang zwischen Salzkonsum und erhöhtem Blutdruck zu belegen.
Trotzdem hält sich der Mythos eisern in vielen Köpfen.

Ein Stein des Anstoßes, wenn auch längst widerlegt, war in den 70er Jahren amerikanische Untersuchungen an Ratten, die mit äußerst stark salzhaltiger Nahrung ernährt wurden. Die Tiere entwickelten daraufhin einen hohen Blutdruck und verstarben verfrüht. Bei der Übertragung der Ergebnisse auf den Menschen entstand eine Fehlinterpretation, denn umgerechnet entsprach die aufgenommen Salzmenge der Ratten beim Menschen einer Tagesdosis von 500 Gramm, was jeder wissenschaftlichen Verhältnismäßigkeit entbehrt. Eine weitere Fehlerquelle ist eine falsche Verzehrsannahme, die von täglich durchschnittlich 12 bis 15 Gramm Speisessalz ausging. Dies wurde bereits in den 90er Jahren durch umfassende Untersuchungen entkräftet; die Studien ergaben einen täglichen Verzehr, der bei Frauen zwischen 6 und 6,4 Gramm und bei Männern zwischen 8,2 und 8,5 Gramm liegt.

Über 30 Jahre quälten sich Patienten mit fader Kost – der größte Teil von ihnen völlig unnötigerweise. Selbst bei salzsensitiven Menschen bewirkt eine Kochsalzreduktion vergleichsweise wenig; die Blutdrucksenkung liegt bei maximal 5 mmHg. Andere Maßnahmen wie Gewichtsreduktion, körperliche Betätigung, Regulierung der Blutfette, weniger Alkohol u.v.m. senken den Blutdruck weit wirkungsvoller als es eine Salzreduktion vermag.