EU-Umweltagentur warnt vor gesundheitlichen Gefahren des Mobilfunks (Nov 07)

Im ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ sagte die Direktorin der Europäischen Umweltagentur (EEA), Professor Jacqueline McGlade: „Handys mögen schwach strahlen, aber es gibt genügend Beweise für Wirkungen auch bei schwacher Strahlung, so dass wir jetzt handeln müssen. Es gibt klare Beweise, dass Handy-Nutzer, die ihr Handy etwa 460 Stunden im Jahr über einen Zeitraum von 15 Jahren genutzt haben, ein deutlich erhöhtes Risiko an gewissen Hirntumoren zu erkranken, aufweisen.“ Die Europäische Umweltagentur in Kopenhagen bezieht sich hierbei auf einen 600-seitigen Bericht der so genannten „Bioinitiative Group“ – einen Zusammenschluss von Wissenschaftlern – die 2000 Studien zur Wirkung von Elektromagnetischen Feldern ausgewertet haben. Ein zentrales Ergebnis im Bericht: „Nach mehr als 10 Jahren Handynutzung erhöht sich das Hirntumorrisiko um 20 bis 200%“.

Außerdem gebe es, so die EEA-Direktorin McGlade, durch Mobilfunkstrahlung unterhalb der geltenden Grenzwerte Effekte in menschlichen Zellen: „Sie stören Zellprozesse, den Signalaustausch zwischen den Zellen. Wenn das über einen längeren Zeitraum passiert, können diese Störungen natürlich zu Langzeiteffekten wie Krebs führen.“ Deshalb rät die EU-Umweltagentur dazu, die geltenden Grenzwerte im Hinblick auf solche biologischen Effekte neu zu definieren und damit zu senken. Bisher sind allein thermische Effekte, also die Erwärmung von Gewebe durch Mobilfunkfelder, ausschlaggebend für die Festlegung der Grenzwerte.

Eine Senkung der Grenzwerte forderte im REPORT MAINZ auch Prof. Franz Adlkofer, Koordinator des von der EU finanzierten Mobilfunkforschungsprogramms REFLEX. In mehreren Versuchsreihen der REFLEX-Forscher waren im Zellversuch gentoxische Effekte durch Mobilfunkfelder unterhalb der Grenzwerte festgestellt worden. In einer noch nicht publizierten Versuchsreihe mit der modernsten Handytechnologie UMTS seien diese Effekte bestätigt worden, nämlich DNA-Strangbrüche und Mikrokernbildung.

Die EU-Umweltagentur sieht beim Thema Mobilfunk Parallelen zu anderen Umweltrisiken wie Asbest, Röntgenstrahlen, Rauchen oder Bleibelastungen. In der Vergangenheit seien viel zu oft Umweltrisiken unterschätzt worden. Diesen Fehler sollte man beim Mobilfunk nicht noch einmal machen. Die EEA-Direktorin Prof. McGlade sagte im ARD-Politikmagazin: „Warum die Bevölkerung einer Gefahr aussetzten, wenn man jetzt was tun kann. Es ist Zeit für uns alle, öffentliche Entscheidungsträger, Eltern, jeden Einzelnen in der Gesellschaft, sich den Hinweisen bewusst zu werden und dementsprechend zu handeln.“

Paracetamol – Ende einer Ära? (Aug 11)

Paracetamol gehört zu den am meisten eingenommenen Arzneimitteln überhaupt. Neue Studien zur akuten und chronischen Toxizität lassen die Substanz in einem neuen, ungünstigen Licht erscheinen.

In der Anfragestatistik des Gemeinsamen Giftinformationszentrums der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen 2000 – 2009 belegt Paracetamol den unangefochtenen 1. Platz. Über 3.200 Anfragen bei Vergiftungen im Erwachsenenalter und über 1.500 im Kindesalter bezogen sich auf das Schmerzmittel. Im Vergleich dazu wurden lediglich etwa 1.400 Anfragen zu Diazepam gestellt.

Einige Experten fordern Rezeptpflicht oder Marktrücknahme
Die Einnahme einer Überdosis Paracetamol ist die häufigste Ursache für akutes Leberversagen in den USA und führt dort zu rund 450 Todesfällen pro Jahr. In Deutschland sterben pro Jahr 1-2 Menschen daran. Der Erlanger Pharmakologe Prof. Dr. Dr. Kay Brune kam zu dem Schluss, dass Paracetamol keineswegs so harmlos ist wie lange angenommen und warnte vor allem junge Frauen und Schwangere vor der Einnahme. Seine Forderung nach Marktrücknahme oder zumindest nach vollständiger Unterstellung unter die Verschreibungspflicht wird kontrovers diskutiert.

Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK), Prof. Dr. Martin Schulz, verweist auf eine jüngst von der AMK und der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft herausgegebene Stellungnahme zu den Risiken von Paracetamol: Hier wird die Verschreibungspflicht von Packungen mit mehr als 10g Paracetamol begrüßt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte teilte mit, dass die neuen Risikosignale zur Zeit unter Mitwirkung des BfArM von der Pharmakovigilanzarbeitsgruppe (PhVWP) des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) bewertet werden. Sollten Maßnahmen zur Risikominimierung notwendig sein, würden diese auch in Deutschland umgesetzt werden.

Dosis bei der Verschreibung peinlich genau prüfen

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt zur kritischen Einnahme von Paracetamol. Eltern sollten bei der Gabe von Paracetamol genau auf die Dosierungsanleitung für Kinder achten. Denn aufgrund des geringen Körpergewichts könne eine zu hohe Dosis des Standardmittels gegen Fieber und Schmerzen bei Kindern schnell zu lebensbedrohlichen Leberproblemen führen.

Eine aktuelle Studie untersuchte dies genauer:
Die im „British Journal of Clinical Pharmacology“ veröffentlichte Studie bescheinigte den schottischen Allgemeinmedizinern geradezu ein schlampiges Vorgehen bei der Angabe der Dosierung von Paracetamol. Auf nahezu jedem vierten Paracetamol-Rezept war der Wirkstoff falsch dosiert. Kleinen Kindern wurden sehr häufig zu hohe Dosen verordnet. Bei Säuglingen im Alter zwischen einem und drei Monaten waren 27 Prozent überdosiert. Schulkindern erhielten in einem Viertel der Verschreibungen hingegen eine zu geringe Dosierung.

Schon vor der Geburt ein Risiko

Ganz unabhängig von der akuten Toxizität muss die Steigerung von Krankheitsprävalenzen bei der Einnahme von Schwangeren oder Kindern betrachtet werden. Zahlreiche Studien warnen davor, dass Paracetamol das Risiko für Asthma und Neurodermitis im Kindesalter steigern kann. Wissenschaftler der von „GA²LEN“ (Global Allergy and Asthma European Network“) durchgeführten Studie mahnen: Erwachsene, die mindestens einmal pro Woche Paracetamol einnehmen, haben eine dreifach höhere Wahrscheinlichkeit, Asthma zu bekommen. An mehr als 500 erwachsenen Asthmatikern und 500 gesunden Probanden untersuchten die Wissenschafter die Häufigkeit der Einnahme verschiedener Schmerzmittel. Dabei zeigte sich eine klare Korrelation zwischen der PCM-Einnahme und der gesteigerten Prävalenz von Asthma. Es wird spekuliert, dass der Abbauweg von Paracetamol dafür verantwortlich sein könne. Bei der Metabolisierung verbraucht Paracetamol das schwefelhaltige Peptid Glutathion. Es gehört zu den bedeutendsten Antioxidantien im Körper. Wird der Gehalt durch die Einnahme von PCM vermindert, fehlt der Lunge ein wichtiger Schutzfaktor gegen Umwelteinflüsse. Glutathion spielt auch bei einer PCM-Überdosierung eine Rolle. Ist der Vorrat des Peptids erschöpft, wird ein lebertoxischer Metabolit gebildet der zum Tode führen kann.
Seif Shaheen, einer der Autoren der GA²LEN-Untersuchung, hat in einer anderen Studie (British Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC)) die Daten von 14.000 Kindern, die seit ihrer Geburt beobachtet wurden, analysiert. Der Beobachtungszeitraum startete mit der Schwangerschaft und reichte bis zum achten Lebensjahr der Kinder. Das Risiko für ein kindliches Asthma war signifikant mit einer pränatalen Paracetamol-Einnahme verknüpft, wenn die Mutter eine genetische Variante des Antioxidans-Gens aufwies.

Beasly et al. führten eine Querschnittanalyse mit Hilfe von Fragebögen an über 205.000 Kindern im Alter von sechs bis sieben Jahren durch. Die Multivariantanalyse zog 31 Länder mit ein. Auch hier ergab sich ein klares Risikosignal für Paracetamol und Asthma. Kinder, die im ersten Lebensjahr Paracetamol einnahmen, hatten ein um 46 Prozent erhöhtes Risiko später an Asthma zu erkranken. Außerdem ging die Gabe von Paracetamol im ersten Lebensjahr mit einem um 48 Prozent erhöhten Rhinokonjunktivitis-Risiko und einem um 35 Prozent erhöhten Neurodermitisrisiko einher.

Hoden in Gefahr?

Der Schmerzexperte Prof. Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel, warnt ebenfalls ganz aktuell vor der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft: „Bis zur Klärung des genauen Zusammenhanges muss der Grundsatz gelten: Im Zweifel für das ungeborene Leben und gegen die Einnahme von Paracetamol, insbesondere in Kombination mit anderen Schmerzmittel. Kurzer Nutzen und langfristige lebenslange Risiken stehen bei möglicher oder bestehender Schwangerschaft aufgrund der neuen Datenlage nicht mehr im ausgewogenen Verhältnis zueinander.“ Göbel sieht auch einen Zusammenhang vom gehäuftem Auftreten von Kryptorchismus. Wenn eine Schwangere PCM einnimmt, kann die Häufigkeit dieser Hodenlageanomalie ansteigen. Die Folge kann eine verminderte Spermienzahl, Zeugungsunfähigkeit und ein erhöhtes Auftreten von malignen Hodentumoren sein.
„Entgegen früheren Empfehlungen wird daher bei möglicher oder bestehender Schwangerschaft von der Einnahme von Paracetamol in Mono- und insbesondere Kombinationspräparaten abgeraten“, so der Mediziner. Die Datenlage erschwert erheblich die Schmerztherapie von Schwangeren. Ibuprofen und andere NSAR dürfen nicht nach der 28. Schwangerschaftswoche eingenommen werden. Lediglich für Paracetamol gilt diese Einschränkung nicht.

Nagt PCM am Knochen?

Nach einer in BONE von L- Williams et al. veröffentlichten Studie steigt unter Paracetamol die Frakturrate an. An 569 Frauen über 50 Jahre mit zurückliegenden Frakturen wurde retrospektiv die PCM-Einnahme hinterfragt. Parallel wurden 775 Probanden ohne Frakturen befragt. 12 Prozent der Betroffenen mit Brüchen hatten zuvor das Schmerzmittel eingenommen, jedoch lediglich acht Prozent der frakturfreien Frauen. Das relative Risiko war somit unter PCM um 56 Prozent erhöht. Unklar ist der Mechanismus der gesteigerten Frakturrate.

Vorsichtig auch während Impfungen

In Ländern wie Nordamerika und Australien ist es üblich, Kindern mit erhöhtem Risiko für Fieberkrämpfe vor und nach einer Impfung Paracetamol zu verabreichen. Paracetamol schwächt jedoch die Antikörperantwort ab und mindert die Schutzwirkung der Impfung. Die Werte der Antikörper-Konzentrationen (GMCs) waren in einer Studie von Prymula et al. in der Paracetamol-Gruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe. Besonders gilt dies für Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ B, Diphtherie, Tetanus-Toxoide sowie für Keuchhusten. Besonders bei der prophylaktischen Gabe vor der Impfung war die Abschwächung der Immunität feststellbar.

Wettlauf gegen die Uhr

Bei Erwachsenen reicht bei einer Dosis von mehr als 10 Gramm (20 Tabletten) Paracetamol der Entgiftungsmechanismus des Körpers nicht mehr aus. Bei Kindern ist die Dosis weitaus niedriger. Bei vorgeschädigter Leber, Einnahme weiterer hepatotoxischer Substanzen oder Pharmaka die über dasselbe Enzymsystem verstoffwechselt werden, muss ebenfalls mit niedrigeren Schwellendosen gerechnet werden. Besonders tückisch sind Vergiftungen mit Paracetamolkombipräparaten, etwa Erkältungsmitteln. Hervorzuheben ist hier ein „Erkältungssaft für die Nacht“. Das Mittel enthält neben Paracetamol Ethanol, Ephedrin und das Schlafmittel Doxylamin, das ebenfalls eine sehr geringe therapeutische Breite hat. Wird nicht rechtzeitig das Antidot Acetylcystein gegeben, entwickelt sich ein Coma hepaticum, das unbehandelt zum Tod führt.
Paracetamol wird über bestimmte Leberenzyme (Cytochrom P450) zum giftigen und leberschädigenden N-Acetyl-p-benzochinonimin (NAPQI) oxidiert. Dieser sehr reaktionsfähige Metabolit wird normalerweise sofort durch die körpereigene Aminosäure Glutathion abgefangen und über die Niere ausgeschieden. Glutathion steht jedoch nur in begrenztem Umfang in der Leber zur Verfügung; seine Nachbildung kann nicht genügend gesteigert werden. Daher erschöpft sich bei der akuten Überdosierung mit Paracetamol der Glutathion-Anteil. Das NAPQI reagiert nun mit Struktur- und Funktionsproteinen der Hepatozyten, was nach einer Zeit von 24-72 Stunden zur Leberzellnekrose und klinischem Leberversagen führen kann. Auch Ethanol verbraucht beim Abbau Glutathion, Vergiftungen mit Paracetamol UND Ethanol verlaufen deshalb besonders schwer.

Hustenmittel als Antidot

Glücklicherweise ist trotz der extremen Häufigkeit der Paracetamolvergiftung die Sterblichkeitsrate relativ gering. Der Grund hierfür ist, dass ein sehr effizientes Gegenmittel zur Verfügung steht. Voraussetzung für die Wirksamkeit ist die rechtzeitige intravenöse Gabe, die nicht später als 10 Stunden nach Intoxikation beginnen sollte. N-Acetylcystein (NAC) vermehrt den Glutathion-Gehalt und somit die Menge an SH-Gruppen in den Hepatozyten. Gleichzeitig übt das Antidot eine protektive Wirkung aus. Extrazellulär bindet es Toxine an sich und wirkt direkt gewebeschützend, intrazellulär führt es zu einer Bereitstellung von Cystein und schafft die Möglichkeit für eine Glutathionsynthese und wirkt somit indirekt zytoprotektiv. Als Gesamtwirkung kann der Schutz vor Leberzellnekrosen angesehen werden. In einer Studie mit 100 Patienten betrug die Letalitätsrate innerhalb von 10-36 Stunden nach Ingestion mit Antidot 37 Prozent und ohne Antidot 58 Prozent.

Theoretisch wäre auch die orale Gabe von NAC hilfreich, die im Vergleich als Hustenmittel extrem hohe Dosis von initial 150-300 mg/kg KG macht dies jedoch nicht realisierbar. Die Gesamtdosis beträgt in den ersten drei Behandlungstagen etwa 1440 mg/kg KG. Ein Erwachsener Patient mit 70 kg Körpergewicht erhält somit ca. 100 g. In der präklinischen Phase sollte bereits eine Giftadsorption mit Aktivkohle (1g kg/KG, beispielsweise Ultracarbon ®) erfolgen. Soweit vorhanden kann mit der Gabe des Antidotes N-Acetylcystein begonnen werden (300 mg/kg KG).

Bei sachgerechter Anwendung ist Paracetamol ein sicheres Schmerzmittel mit geringen akuten Nebenwirkungen. Zahlreiche Studien warnen jedoch davor, dass besonders bei Kindern die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Erkrankungen wie Neurodermitis oder Asthma bei regelmäßiger Anwendung steigt. Dies hat zwar keine rettungsdienstliche Relevanz, der Blick über den Tellerrand soll jedoch gestattet sein, weil der Wirkstoff weit verbreitet ist. Die hohe akute Toxizität hat die Abgaberichtlinien strenger gemacht.

Weitere Narkolepsie-Fälle nach Impfung mit Pandemrix® (Feb. 2011)

Bereits im vergangenen Jahr waren in Schweden, Finnland und Island mehrere Fälle einer Narkolepsie bei Kindern und Jugendlichen nach einer H1N1-Impfung mit der Vaccine Pandemrix® bekannt geworden [1]. Nach Schätzungen der finnischen Gesundheitsbehörde THL erhöhe sich das Risiko einer Narkolepsie bei Kindern und Jugendlichen zwischen 4 und 19 Jahren durch eine Impfung mit dem vom Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK) vertriebenen Impfstoff auf das 9-fache [2].

In Deutschland informierte vor kurzem das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) über 8 registrierte Verdachtsfälle in zeitlichem Zusammenhang mit einer Pandemrix®-Impfung seit Oktober letzten Jahres bis Ende Januar diesen Jahres. Davon wurde ein Fall inzwischen revidiert, da nachfolgende Untersuchungen die Verdachtsdiagnose Narkolepsie nicht stützen konnten. In einem weiteren Fall wurde bekannt, dass erste Anzeichen einer Narkolepsie bereits vor der Impfung mit Pandemrix® vorhanden waren. Das Alter der insgesamt betroffenen Patienten lag zum Zeitpunkt der Meldung zwischen 9 und 26 Jahren. Erste Symptome einer Narkolepsie traten im Mittel etwa 2 Monate nach erfolgter Impfung auf [3].

Der Narkolepsie liegt eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus zugrunde, die sich vor allem in Symptomen wie Tagesschläfrigkeit, Kataplexie (plötzlicher beidseitiger Tonusverlust der Muskulatur), Schlaflähmungen und Halluzinationen, insbesondere beim Einschlafen und Aufwachen, äußert. Die Ursachen der chronischen Krankheit sind noch weitgehend ungeklärt. Diskutiert werden genetische ebenso wie autoimmunologische Prozesse [4].

Den genetischen Einfluss unterstreicht die World Health Organization (WHO) in einer aktuellen Stellungnahme: Ein spezieller HLA-Genotyp DQB1*0602 stehe danach in einem engen Zusammenhang mit einer Narkolepsie-Erkrankung. Alle bisher getesteten 22 Narkolepsie-Fälle nach Impfung mit Pandemrix® wiesen diesen Genotyp auf [5].

In der letzten Grippesaison 2009/2010 wurde Pandemrix® weltweit in 38 Ländern eingesetzt. Eine Zunahme der Narkolepsie-Fälle unter Pandemrix® wurde nur in Finnland, Schweden und Island beobachtet. Andere Impfstoffpräparate gegen Schweinegrippe oder saisonale Influenza bei Kindern seien nach aktuellem Kenntnisstand nicht betroffen [2].

Änderungen der Empfehlungen zur Influenza-Impfung von Kindern und Jugendlichen sind bislang nicht vorgesehen.

Anhand einer vom European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) geförderten multinationalen Studie, an der neben Deutschland auch die Niederlande, Spanien, Italien, Dänemark, Schweden, Norwegen, Großbritannien, Frankreich und Island teilnehmen, soll nun der Zusammenhang zwischen Narkolepsie und einer vorangegangenen Pandemrix®-Impfung systematisch untersucht werden.
Quellen:
[1] Pressemitteilung der THL, Finnland vom 01. Februar 2011
[2] Stellungnahme der WHO zum erhöhten Narkolepsie-Risiko unter Pandemrix® vom 01. Februar 2011
[3] Pressemitteilung des Paul-Ehrlich-Instituts vom 01. Februar 2011
[4] Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zur Narkolepsie
[5] Stellungnahme der WHO zum erhöhten Narkolepsie-Risiko unter Pandemrix® vom 08. Februar 2011

Die Tamiflu-Lüge (Dez. 2010)

sueddeutsche.de vom 17.12.2010

Milliarden haben Regierungen ausgegeben für das Grippemedikament Tamiflu, um gegen eine Pandemie gewappnet zu sein. Nun warnen Wissenschaftler: Die veröffentlichten Daten zu dem Mittel sind massiv geschönt.

Etwa für jeden fünften Bundesbürger liegen sie bereit: Grippemittel, die im Falle einer Pandemie die lebensgefährlichen Komplikationen der Infektion entschärfen sollen. Allein das Land Bayern hat 22.Millionen Euro dafür ausgegeben. Dass das Geld nicht einmal dann gut angelegt sein wird, wenn wirklich einmal eine Grippe-Pandemie zuschlägt, zeigt nun eine aktuelle Analyse. Sie belegt, was kritische Stimmen schon seit Jahren formulieren: dass die Virenhemmer keinesfalls so nützlich sind, wie es ihre Hersteller versprechen. Schon seit langem fragen sich Pharmaexperten, weshalb die beiden Grippemittel Zanamivir (Relenza) und Oseltamivir (Tamiflu) eigentlich in Politik und Bevölkerung ein so hohes Ansehen genießen. Die verfügbaren Daten zu den Arzneien sind schwach. Demnach nützen die Mittel allenfalls dann zur Behandlung, wenn sie bei den ersten Symptomen genommen werden.
Und im Fall des bekannteren Tamiflu wurden offenbar selbst diese schwachen Daten geschönt, behauptet jetzt ein internationales Gutachterteam der Cochrane Collaboration, eines Netzwerks von Wissenschaftlern, das systematische Übersichtsarbeiten zur Bewertung von medizinischen Therapien erstellt. Nun gebe es keine Evidenz mehr dafür, dass die Grippemittel schwere Komplikationen wie Lungenentzündungen verhindern könnten, erklärt das Team um den britischen Epidemiologen Tom Jefferson, der in Rom für die Cochrane Collaboration arbeitet.

Die Grippemittel standen im Jahr 2006 in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Damals ging die Angst um, der Erreger der Vogelgrippe könne zu einem Virus mutieren, das sich auch gegen Menschen richtet und todbringend um die Welt zieht. Tamiflu und Relenza, die einzigen spezifischen Grippemedikamente, sollen so eine Influenzapandemie zähmen können. Das verspricht schon der Name Tamiflu; er ist ein Phantasiewort aus dem englischen „tame“ für zähmen und „flu“ für Grippe.

Hinweise von einem japanischen Kinderarzt:
Dass Tamiflu das könne, ergab auch so manche wissenschaftliche Studie. Demnach waren die gefürchteten Atemwegskomplikationen, die im Verlauf einer Grippe tödlich sein können, deutlich seltener, wenn Patienten bei einem Verdacht auf eine Influenza mit dem Grippemittel behandelt wurden. Grippekranke sterben in der Regel nicht an den Influenzaviren; vielmehr öffnen die Viren den gefährlichen bakteriellen Erregern einer Lungenentzündung die Tür. Das kann den Grippekranken zum Verhängnis werden.

Tamiflus Karriere wurde vor allem durch eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2003 befördert. Die Arbeit war unter Federführung von Laurent Kaiser entstanden, dem Leiter des Zentralen Virologischen Labors am Genfer Universitätsklinikum. Kaisers Team hatte dazu zehn bis dahin vorliegende Wirksamkeitsstudien in Augenschein genommen – allerdings waren alle vom Tamiflu-Hersteller Roche selbst durchgeführt worden.
So kam Kaiser zu dem Schluss, dass Patienten messbar weniger Komplikationen erlitten, wenn sie Tamiflu bekamen: Jeder achte Tamiflu-Patient benötigte wegen einer drohenden Lungenentzündung ein Antibiotikum (45 von 368 Testpersonen); ohne Tamiflu (aber mit Placebo) war es jeder fünfte (74 von 401 Testpersonen). Wo auch immer die Studienlage zu Tamiflu einer wissenschaftlichen Revision unterzogen wurde, wurde Kaisers Übersichtsarbeit zitiert und deren Schlüsse offenbar kritiklos übernommen. Als im Zuge der Vogelgrippe die Staaten, die es sich leisten konnten, Millionenreserven des Grippemittels anlegten, diente die Arbeit als Referenz dafür, dass man ein wirksames Mittel eingekauft hatte.

Auch Tom Jefferson und seine Mitarbeiter vertrauten Kaisers Einschätzungen, als sie 2006 zum ersten Mal die Studienlage zu Grippearzneien auswerteten. 2009 bekamen sie vom britischen National Institute for Health Research den Auftrag für eine erneute Revision. Kurz darauf kam Post aus Japan. „Ein Kinderarzt aus Osaka wies uns darauf hin, dass wir uns auf zweifelhafte Daten verlassen hatten“, sagt Jefferson. „Die Autoren des Kaiser-Reviews sind vier Angestellte und ein bezahlter Berater von F. Hoffman-La Roche Ltd. – und Kaiser“, schrieb Keiji Hayashi. „Und nur zwei der zehn Studien sind in Fachzeitschriften publiziert worden.“ Nur in den acht unvollständig veröffentlichten Arbeiten aber, so Hayashi, würde Tamiflu besser wirken als ein Placebo. Die Cochrane-Gutachter nahmen die Hinweise ernst. Sie wollten tiefer graben, tiefer als das, was der Öffentlichkeit bis dahin freiwillig an Auswertungen und Basisdaten vorgelegt worden war. Dazu aber brauchten sie nackte Daten, anders ausgedrückt: die nüchternen, uninterpretierten Studienprotokolle.

Kaiser aber verwies Jefferson an Roche. Doch der Konzern wollte dem Briten nur im Tausch gegen eine Verschwiegenheitserklärung Einsicht in seine Protokolle gewähren. Das wollte sich Jefferson nicht bieten lassen. Im Dezember 2009 machten er und seine Mitstreiter die Lücken in den publizierten Daten im British Medical Journal öffentlich. Zugleich zogen sie für ihre Neubewertung nur jene Studien heran, die üblicherweise in eine Übersichtsarbeit fließen: solche, die vollständig publiziert sind. So kamen sie zu demselben Schluss wie Keji Hayashi: Allen veröffentlichten Daten zufolge beuge Tamiflu Atemwegskomplikationen infolge einer Grippe nicht besser vor als ein Placebo, so das Fazit.
Plötzlich reagierte Roche ganz schnell: „Die vollständigen Berichte für die Studien“ würden „in Kürze auf einer passwortgeschützten Seite für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung stehen“, versprach James Smith, für Tamiflu zuständiger medizinischer Leiter bei Roche, in einer schriftlichen Erwiderung im British Medical Journal. “ Darauf warten wir bis heute“, sagt Chris Del Mar, Professor für Gesundheitswissenschaften im australischen Queensland und Jeffersons Co-Autor. Zwar sei kurz nach dem offiziellen Versprechen ein Passwort für eine Roche-Webseite bei ihm eingegangen. „Aber hinterlegt war dort nur etwa ein Viertel der von uns eingeforderten Daten aus den zehn Kaiser-Studien; die jeweils ersten von insgesamt vier oder fünf Protokoll-Modulen.“
Jedes Modul habe ein anderes Thema, erläutert Tom Jefferson. „Da wir sie ja nicht kennen, wissen wir auch nicht mit Sicherheit, was in den Modulen steht, die uns nun seit einem Jahr vorenthalten werden.“
Die Forscher vermuten unter anderem Informationen darüber, wie die ursprünglichen Fragestellungen der Studien aussahen und ob diese im Laufe des Versuchs abgewandelt wurden. Die ersten Module zeigten, dass mehr als die Hälfte der Ergebnisse in der Schublade verschwunden waren, so Jefferson: die Daten von 2691 der 4813 Studienteilnehmer.

Allzu häufig werden bei medizinischen Studien Fragestellungen im Nachhinein an die gewonnenen Daten angepasst. So lässt sich eine gewünschte Wirkung schließlich doch scheinbar beweisen, auch wenn es sie in Wirklichkeit gar nicht gibt.

Auch eine andere wichtige Frage würde Tom Jefferson gerne mit Hilfe fehlender Module beantworten: Weshalb wurden in den acht unpublizierten Studien so viel mehr Kranke als gewöhnlich positiv auf Influenza getestet? Es komme bei medizinischen Studien oft vor, dass es eine Vorauswahl der Probanden gebe, sagt er. In einem solchen Fall stehe dann in Frage, „ob die Ergebnisse dieser Versuche überhaupt auf die normale Bevölkerung übertragbar sind“.
Schließlich treibt Tom Jefferson noch die Frage nach den Nebenwirkungen um. Die bisher publizierten Studien fanden entweder „keine“ oder „keine mit Oseltamivir in Zusammenhang stehenden“ schweren Nebenwirkungen. Allein in den offengelegten ersten Modulen aber finden sich zehn schwere Zwischenfälle bei neun Probanden, drei davon werden mit Tamiflu in Verbindung gebracht.

Psychotische Zustände bei Kindern:
Dazu passt, dass japanische Ärzte während des H1N1-Ausbruchs im vergangenen Winter speziell bei Kindern, die mit Tamiflu behandelt wurden, gehäuft psychotische Zustände beobachtet hatten. Auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung erklärt das Unternehmen Roche, es gebe gar keine Datenlücke: „Roche glaubt, dass es alle die Daten zur Verfügung gestellt hat, die nötig sind, um die Fragen der Cochrane-Gutachter zu beantworten.“ Der Konzern will bei künftigen Anfragen der Wissenschaftler erst deren Protokoll zu den neuen Tamiflu-Forschungen sehen, „damit wir entscheiden können, welche Daten sie für ihre Fragen brauchen“. Das sei eine „verkehrte Welt“, findet Tom Jefferson. „Seit wann entscheiden die Begutachteten, was der Gutachter sehen darf – und was nicht?“

Trotz der mühseligen Arbeit hat sich Jefferson für 2011 ein noch größeres Projekt vorgenommen. Im neuen Jahr plant er eine Bestandsaufnahme des Wissens über alle Influenzaviren-Hemmer, auch zwei neuere, die noch keine Zulassung haben, Peramivir und Laninamivir. Zumindest die Datenlage zu Tamiflus Konkurrenten Relenza von Glaxo Smith Kleine sei auch nicht vertrauenerweckend, sagt er. „Überall haben wir Indizien für manipulierte Daten gefunden.“ Der größte Behandlungsversuch aus den USA, den Glaxo Smith Kline jemals für Relenza durchgeführt hat, habe übrigens keinen Effekt gezeigt, so Jefferson. „Und er wurde nie veröffentlicht.“

Nanomaschinen in den Kraftwerken der Zelle (Juli 10)

Rudolf-Werner Dreier, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
02.07.2010 08:57

Architektur des größten Proteinkomplexes in der Atmungskette aufgeklärt:
Wissenschaftler der Universität Freiburg und der Universität Frankfurt haben die Architektur des größten Proteinkomplexes der zellulären Atmungskette aufgeklärt. Sie entdeckten einen bisher unbekannten Mechanismus der Energieumwandlung in diesem molekularen Komplex. Der Mechanismus ist notwendig, damit die Zelle die in der Nahrung gespeicherte Energie nutzen kann.

Nach zehnjähriger Forschungsarbeit ist nun die röntgenkristallographische Strukturanalyse des riesigen und kompliziertesten Proteinkomplexes der mitochondrialen Atmungskette gelungen. Er besteht aus mehr als 40 verschiedenen Proteinen, markiert den Anfangspunkt der Zellatmung und wird deshalb auch als mitochondrialer Komplex I bezeichnet. Die Ergebnisse erscheinen in der aktuellen Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Science“.

Ein detailliertes Verständnis der Funktion von Komplex I ist von besonderem medizinischem Interesse, da Fehlfunktionen mit einer Reihe von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Morbus Alzheimer, aber auch dem biologischen Altern insgesamt, in Verbindung gebracht werden. Prof. Carola Hunte vom Freiburger Institut für Biochemie und Molekularbiologie und dem Freiburger Exzellenzcluster BIOSS (Centre for Biological Signalling Studies) gelang in Kooperation mit Prof. Ulrich Brandt, Professor für Molekulare Bioenergetik und Mitglied im Exzellenzcluster „Makromolekulare Komplexe“, und Dr. Volker Zickermann aus seiner Arbeitsgruppe ein wichtiger Schritt zu diesem Verständnis.

Der Energiestoffwechsel findet in den sogenannten Kraftwerken der Zelle, den Mitochondrien, statt. Sie überführen die von außen in Form von Nahrung aufgenommene Energie in den zellintern universell einsetzbaren Energieträger Adenosintriphosphat, kurz ATP. Eine Kette von fünf, kompliziert gebauten molekularen Maschinen in der Mitochondrienmembran führt diese Energieumwandlung durch. Die Herstellung von ATP in den Mitochondrien durchläuft deshalb so viele Schritte, weil die zugrunde liegende Umsetzung einer Knallgasreaktion entspricht. Lässt man im Labor Wasserstoffgas und Sauerstoff miteinander reagieren, verpufft die in den Ausgangsstoffen enthaltene Energie explosionsartig in Form von Wärme. Bei der biologischen Oxidation durch die membrangebundenen Proteinkomplexe der Atmungskette wird die Energie dagegen kontrolliert in kleinen Paketen freigesetzt. Wie bei einer Brennstoffzelle wird sie in ein elektrisches Membranpotential umgewandelt, das letztendlich für die Synthese von ATP genutzt werden kann. Zusammengerechnet bilden die Oberflächen der Mitochondrien im menschlichen Körper eine Fläche von 14.000 Quadratmetern. Dort werden täglich etwa 65 Kilogramm ATP produziert.

Das jetzt vorgestellte Strukturmodell gibt wichtige und unerwartete Hinweise auf die Funktionsweise von Komplex I. Eine aus keinem anderen Protein bekannte Form eines molekularen „Transmissionsgestänges“ scheint demnach für den Energietransfer innerhalb des Proteinkomplexes durch mechanische Kopplung im Nanomaßstab verantwortlich zu sein. Übertragen auf die Welt der Technik ließe sich dies als eine Kraftübertragung durch eine Art Kuppelstange beschreiben wie sie etwa die Räder einer Dampflok verbindet. Dieser neue nanomechanische Ansatz soll nun durch ergänzende funktionelle Studien und eine verfeinerte strukturelle Analyse weiter untersucht werden.

Christiane Gieseking-Anz

Veröffentlichung
Science: Functional Modules and Structural Basis of Conformational Coupling in Mitochondrial Complex I
Carola Hunte, Volker Zickermann, Ulrich Brandt
Published online: 1. Juli 2010 Science DOI: 10.1126/science.1191046

Link http://www.sciencemag.org/cgi/content/abstract/science.1191046

Kontakt:
Prof. Dr. Carola Hunte
Institut für Biochemie und Molekularbiologie
BIOSS-Professur für Biochemie und Strukturbiologie
Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-5279
Fax: 0761/203-5253
E-Mail: carola.hunte@bioss.uni-freiburg.de

Weitere Informationen:
http://www.sciencemag.org/cgi/content/abstract/science.1191046
http://www.bioss.uni-freiburg.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news377542

Merkmale dieser Pressemitteilung:
Biologie, Medizin
überregional

Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen Deutsch

Weiterführende Informationen auch unter: „Aktuelles / Neuheiten“ : Mitochondriopathien – der Ursache von Zivilisationskrankheiten auf der Spur

Bakterien fördern aktiv die Bildung von Körperabwehrzellen (Juni 10)

Bakterien fördern aktiv die Bildung von Körperabwehrzellen (Juni 10)

Gutartige Bakterien machen nicht nur gefährlichen Krankheitserregern Konkurrenz, sondern arbeiten sogar aktiv mit dem Immunsystem zusammen. US-Forscher haben nun herausgefunden, wie der Mechanismus zur Ankurbelung der Körperabwehr funktioniert. Bestimmte Moleküle auf der Oberfläche der bakteriellen Sporen docken an die B-Zellen des Immunsystems an. Infolgedessen teilen und vermehren sich diese Schlüsselzellen der Infektabwehr, berichten die Wissenschaftler um Katherine Knight vom Loyola University Medical Center in Chicago. Schon heute spielen Bakterienpräparate eine wichtige Rolle bei der Behandlung von immungeschwächten Patienten, auch in der Krebstherapie finden sie Anwendung.

Jeder Mensch besitzt zehnmal mehr Bakterien als Körperzellen. Die Mikroorganismen haben es sich auf der Haut, in den Atemwegen und im Darm gemütlich gemacht. Alleine der Verdauungstrakt wird von schätzungsweise 500 bis 1.000 verschiedenen Arten besiedelt, insgesamt bringt es die Darmflora auf ein Gesamtgewicht von bis zu zwei Kilogramm. Während einige Bakterien Krankheiten verursachen, sind die meisten Arten harmlos oder gar nützlich für den Wirt, indem sie beispielsweise die Verdauung unterstützen. Solche hilfreichen Mitbewohner werden als Kommensalen bezeichnet.

Die kommensalen Bakterien der Darmflora hemmen beispielsweise die Ausbreitung unerwünschter Keime, indem sie mit ihnen um die Besiedelung des Darms konkurrieren. Außerdem vertreiben sie einige Erregerarten, indem sie Abwehrstoffe ausschütten und ein saures Milieu schaffen. Eine der wichtigsten Funktionen kommensaler Bakterien besteht in der Stärkung des Immunsystems. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass in einer keimfreien Umgebung aufgewachsene Mäuse nur über ein schlecht entwickeltes Immunsystem verfügen. Bislang war jedoch unbekannt, auf welche Weise die Bakterien das Immunsystem unterstützen.

Katherine Knight und ihre Kollegen untersuchten nun die Wirkung von Sporen des stäbchenförmigen Bodenbakteriums Bacillus subtilis. Sporen dienen der Überdauerung der Bakterien in schlechten Zeiten. Sie enthalten die DNA des Keimes und werden unter Stresseinwirkung gebildet, beispielsweise wenn sich die Umweltbedingungen extrem verschlechtern. Die Wissenschaftler beobachteten zunächst, dass sich die B-Zellen, einer der wichtigsten Zelltypen der Immunabwehr, in Gegenwart der Sporen zu teilen und vermehren begannen. Als sie diese genauer unter die Lupe nahmen, sahen sie, wie bestimmte Moleküle auf den Sporen an passende Strukturen auf der Oberfläche der B-Zellen andockten. Auf diese Weise wurde den Zellen das Signal zur Vermehrung übermittelt.

Seitdem die positive Wirkung bestimmter Bakterienarten auf das Immunsystem bekannt ist, profitieren Menschen mit einer schlecht funktionierenden oder geschwächten Immunabwehr von einer Behandlung mit Bakterienzellen und -sporen – etwa ältere Personen oder Patienten, deren Immunsystem im Rahmen einer Knochenmarktransplantation unterdrückt wurde. Auch bei Neugeborenen kann eine solche vorbeugende Maßnahme sinnvoll sein: Sie haben noch einen völlig sterilen Darm, ihr Immunsystem entwickelt sich erst durch den Kontakt mit der Umwelt und über die Muttermilch. Deshalb sind sie besonders anfällig für infektiöse Erreger.

Katherine Knight (Loyola University Medical Center, Chicago) et al.: Journal of Immunology, Bd. 184, Nr. 12, S. 6782, doi: 10.4049/jimmunol.1000155

 

Britische Studie Tamiflu Nebenwirkungen bei Kindern (Aug 09)

Nachdem es im April diesen Jahres zum Ausbruch der Schweinegrippe in einer britischen Grundschule und einer weiterführenden Schule gekommen war, wurde als Gegenmaßnahme die prophylaktische Einnahme des Virustatikums Oseltamivir (Tamiflu) verordnet.

In beiden Schulen wurde die Schüler zur Akzeptanz der Einnahme und den Nebenwirkungen nach der Einnahme von 10 Tagen befragt und in zwei Studien erfasst.
Nach den Bildern aus den Medien erfreute sich die Prophylaxemaßnahme großer Beliebtheit. So nahmen 91% der Kinder die volle Dosis über 7 Tage, (71% hielten die 10 Tage durch) obwohl gut die Hälfte der Kinder an Nebenwirkungen litten! Oft wurden die Symptome wohl einer leichten Grippe und nicht dem Medikament zugeschrieben.

Es litten 40% unter gastrointestinalen Störungen und 18%  unter   neuropsychiatrische  Symptomen  wie  Albträumen, Konzentrations- oder Schlafstörungen.

Die Firma Roche stellte in einer Pressemitteilung klar, dass neuropsychatrischen Störungen keine gesicherten Nebenwirkungen von Tamiflu seien.
In den letzten Jahren hatte es aber wiederholt Berichte zu neuropsychatrischen Komplikationen unter der Einnahme von Tamiflu bei Kindern gegeben. Auch die amerikanische Zulassungsbehörde hatte diese Berichte geprüft, war aber zu dem Schluss gekommen, dass die Symptome auf die Grippe und nicht auf das Virustatikum zurückzuführen seien. Bei den aktuellen Studien wurden aber gesunde Kinder prophylaktisch behandelt!

Mittlerweile geben auch britische Ärzte bei Kindern nur noch dann Tamiflu, wenn sich erste Symptome eine Grippe zeigen und nicht vorher.

Quelle: Studie Wallensten et al

Gebräuchlicher Impfstoffzusatz zerstört Hirnzellen (Juli 09)

Wenn die Obduktion von zwei Dutzend einstmals sehr lebendiger Mäuse an der University of British Columbia (UBC) die Wahrheit berichtet, könnten die Regierungen der Welt bald von einer Welle von Gerichtsprozessen überrollt werden. Neue noch unveröffentlichte Studien, geleitet vom Neurowissenschaftler Chris Shaw aua Vancouver, deuten auf eine Verbindung zwischen Aluminiumhydroxid in Impfstoffen und Symptomen der Parkinson-Krankheit, der amytrophen Lateralsklerose (ALS oder Lou Gehrig-Syndrom) und Alzheimer.
Shaw ist sehr überrascht, dass seine Untersuchungen nicht schon früher durchgerührt wurden. Seit 80 Jahren injizieren Ärzte ihren Patienten Aluminiumhydroxid – ein Zusatz, der eine immunologische Abwehrreaktion hervorruft.
„Das ist verdächtig. Entweder ist die Verbindung der Industrie bereits bekannt und wurde niemals publik gemacht, oder Health Canada hat die Industrie nie dazu angehalten, diese Studien durchzuführen. Ich bin nicht sicher, welche Variante furchterregender ist.“ Shaws Aufsatz zufolge werden ähnliche Zusätze in den Hepatitis-A- und B-Impfstoffen sowie im Pentacel-Cocktail verwendet, der gegen Diphterie, Keuchhusten, Tetanus, Polio und eine Form von Meningitis eingesetzt wird.

Um ihre Theorie zu überprüfen, injizierten Shaw und sein Team aus vier Wissenschaftlern der UBC und der Lousiana State University Mäusen den Anthrax-Impfstoff, der für den ersten Golfkrieg entwickelt wurde. Da das Golfkriegssyndrom sehr stark der ALS  ähnelt, erklärte Shaw, hatten die Neurowissenschaftler eine Chance, die wahrscheinliche Ursache zu isolieren. Alle eingesetzten Truppen wurden mit einer Beigabe von Aluminiumhydroxid geimpft. Laut Shaw haben alle geimpften Truppenteile, die nicht im Golf eingesetzt wurden, ähnliche Symptome entwickelt.
Nachdem man die Mäuse 20 Wochen lang untersucht hatte, entwickelten diese statistisch signifikante Symptome – wie Angst (38 Prozent), Gedächtnislücken (41 mal mehr Fehler als in der Kontrollgruppe) und allergische Hautreaktionen (20 Prozent).
Zellproben nach der Opferung der Mäuse zeigten, dass Nervenzellen abgestorben waren, Innerhalb der Mäusehirne zerstörten sich in einem Bereich, der die Bewegungen koordiniert, 35 Prozent der Zellen von selbst
„Niemand in meinem Labor will sich impfen lassen“, sagte Shaw. „Das machte uns völlig verrückt. Wir machten die Untersuchungen nicht, um irgendwelche Fehler an Impfstoffen festzustellen.  Aber plötzlich, mein Gott starben Neuronen ab!“
Es sei möglich, sagte er, dass es über 10.000 Studien gibt, die die Sicherheit von Aluminiumhydroxid bei Injektionen nachweisen. Aber er könne keine finden, die über die ersten Wochen nach der Verabreichung hinausgingen. Wenn es eine Studie gäbe, die ihn widerlegen könne, dann „sollte diese auf den Tisch gebracht werden“. „So macht man Wissenschaft.“

Quelle: The Georgia Straight
P.S.: Aluminiumhydroxid ist übrigens auch Bestandteil des HPV-Impfstoffs.

Demyelinisierende Erkrankungen des ZNS nach Impfung mit Gardasil® (UAW-News International) Juli 09

Gardasil® ist ein quadrivalenter Impfstoff gegen humane Papillomaviren (HPV). Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) hat 2007 die generelle Impfung gegen humane Papillomaviren (Typen HPV 16, 18) für alle Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren empfohlen, um durch die Impfung die Möglichkeit einer späteren Erkrankung mit Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) zu reduzieren. Sutton et al. (Mult Scler 2009; 15: 116-9) berichten über fünf Fälle entzündlicher Erkrankungen des ZNS, die innerhalb von 28 Tagen nach Impfung mit Gardasil® aufgetreten sind und aufgrund der atypischen beziehungsweise multifokalen Manifestationen auffällig waren.

Deutsches Ärzteblatt, Jg. 106, Heft 28-29, 13.07.2009

Gardasil® ist ein quadrivalenter Impfstoff gegen humane Papillomaviren (HPV). Er enthält virusähnliche Partikel (virus-like particles, VLP) der onkogenen HPV-Typen 16 und 18 sowie der Typen 6 und 11, die für die Mehrzahl der genitalen Warzen verantwortlich sind. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) hat 2007 die generelle Impfung gegen humane Papillomaviren (Typen HPV 16, 18) für alle Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren empfohlen, um durch die Impfung die Möglichkeit einer späteren Erkrankung mit Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) zu reduzieren. Die bisher vorliegenden Daten, die die Wirksamkeit belegen sollen, sind jedoch im Hinblick auf den Anteil in der weiblichen Bevölkerung, bei dem eine therapeutische Wirksamkeit im Sinne der Verhütung eines Gebärmutterhalskrebses zu erwarten ist, umstritten, und von einigen Wissenschaftlern wurde eine Neubewertung der HPV-Impfung gefordert (1). Im vergangenen Jahr hat die AkdÄ über den Fall einer Armplexusneuritis nach Impfung mit Gardasil® berichtet (2); aufgrund einer aktuellen Publikation soll auf demyelinisierende Erkrankungen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung aufmerksam gemacht werden.
Sutton et al. (Mult Scler 2009; 15: 116–9) berichten über fünf Fälle entzündlicher Erkrankungen des ZNS, die innerhalb von 28 Tagen nach Impfung mit Gardasil® aufgetreten sind und aufgrund der atypischen beziehungsweise multifokalen Manifestationen auffällig waren (3). Die Patientinnen waren zwischen 16 und 26 Jahre alt, und die Symptome traten ein bis 21 Tage nach der zweiten oder dritten Impfdosis auf. Drei Patientinnen hatten bereits zuvor erstmals klinische Symptome einer demyelinisierenden Erkrankung im Sinne eines sogenannten klinisch- isolierten Syndroms (KIS), sodass bei der jetzigen neuerlichen Symptomatik eine multiple Sklerose (MS) diagnostiziert wurde. Die beiden anderen Patientinnen zeigten nach Impfung erstmalig neurologische Symptome, eine hat inzwischen eine MS entwickelt. Drei der Patientinnen wiesen bei der Vorstellung eine Monosymptomatik (Pseudoathetose des rechten Arms, Kopfschmerzen mit nachfolgender inkompletter transverser Myelitis, akute Hemiparese) auf, zwei hatten multifokale Symptome (inkomplette thorakale Myelitis mit nachfolgender Optikusneurits links, inkomplette thorakale transverse Myelitis gefolgt von einem Hirnstammsyndrom). Bei allen bildete sich die Symptomatik zurück, einmal spontan und viermal nach intravenöser Gabe von Methylprednisolon.
Impfungen wurden mit einer Reihe entzündlicher Erkrankungen des Nervensystems in Zusammenhang gebracht, hierzu zählen die akute disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM), Armplexusneuritis und das Guillain-Barré-Syndrom. Das Risiko schwerwiegender neurologischer Erkrankungen wird mit 0,1 bis 0,2 Fällen pro eine Mio. Impfungen insgesamt jedoch als extrem gering eingeschätzt. Der Zusammenhang zwischen Impfungen und dem Auftreten einer MS wurde bislang vor allem für Tetanus und Hepatitis B untersucht, ein kausaler Zusammenhang wurde dabei nicht bestätigt. Generell können Impfungen genau wie Infektionen die fehlgeleitete Immunreaktion im Rahmen einer MS triggern, sodass eine Auslösung von Schüben möglich ist. Den chronisch entzündlichen Charakter der MS kann dies jedoch allein nicht erklären. Die MS wird als Autoimmunerkrankung angesehen, bei der das Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Suszeptibilitätsfaktoren zusammen mit Fehlregulationen der Immuntoleranz zur Initiierung und Chronifizierung der Erkrankung beitragen. Immunpathologisch würden Impfungen von daher eher als „Triggerfaktoren“ betrachtet werden, jedoch nicht im eigentlichen Sinne kausal als krankheitsauslösend beziehungsweise -perpetuierend.

In der deutschen Datenbank zu Verdachtsfällen von Impfkomplikationen und Impfnebenwirkungen des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) sind zehn Fälle von MS im zeitlichen Zusammenhang mit einer HPV-Impfung erfasst, davon neun nach Gardasil® und einer nach Cervarix® (Stand Mai 2009). In fünf Fällen wurde der Kausalzusammenhang als „unwahrscheinlich“ eingestuft, viermal als „nicht beurteilbar“ und in einem Fall werden noch zusätzliche Informationen erwartet. Ein statistisches Verfahren zur Beurteilung, ob die Kombination aus einem Impfstoff und einer unerwünschten Wirkung überzufällig häufig in einer Datenbank erfasst ist (Proportional Reporting Ratio, PRR), zeigt für HPV-Impfung und MS derzeit keinen signifikant erhöhten Wert.
Die Autoren des oben zusammengefassten Artikels weisen darauf hin, dass es Anzeichen für ein erhöhtes Risiko für das Auslösen von Rezidiven einer MS durch Virusinfektionen gebe. Im Hinblick auf Impfstoffe könne das Risiko in Abhängigkeit vom Immunogen variieren. Die virusähnlichen Partikel in HPV-Impfstoffen binden an dendritische Zellen und induzieren einen Reifungsprozess mit Produktion von IL-12, TNFa und IL-6, die mit entzündlichen Reaktionen des ZNS wie Demyelinisierungen und axonalen Schäden in Zusammenhang stehen können. Sie empfehlen eine Fall-Kontroll-Studie bei Patienten mit bestehender MS, um die Folgen einer HPV-Impfung auf den Verlauf der Erkrankung besser zu untersuchen.
Bitte teilen Sie der AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit. Sie können dafür den Berichtsbogen verwenden, der regelmäßig im Deutschen Ärzteblatt abgedruckt wird oder aus der AkdÄ-Internetpräsenz abrufbar ist. Über www.akdae.de besteht auch die Möglichkeit, einen UAW-Verdachtsfall online zu melden.

Literatur
1. Gerhardus A, Dören M, Gerlach FM et al.: Gebärmutterhalskrebs: Wie wirksam ist die HPV-Impfung? Dtsch Arztebl 2009; 106: A 330–4.
2. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Armplexusneuritis im Zusammenhang mit Gardasil®. AkdÄ Drug Safety Mail 2008-039 vom 03. November 2008.
3. Sutton I, Lahoria R, Tan I et al.: CNS demyelination and quadrivalent HPV vaccination. Mult Scler 2009; 15: 116–9.
4. Nakayama T, Onoda K: Vaccine adverse events reported in post-marketing study of the Kitasato Institute from 1994 to 2004. Vaccine 2007; 25: 570–6.
5. Paul-Ehrlich-Institut: Multiple Sklerose und Impfungen: http://www.pei.de. Sicherheitsinformation vom 09. Januar 2008.
6. Sibley WA, Bamford CR, Clark K: Clinical viral infections and multiple sclerosis. Lancet 1985; 1: 1313–5.
7. Lenz P, Day PM, Pang YY et al.: Papillomavirus-like particles induce acute activation of dendritic cells. J Immunol 2001; 166: 5346–55.

Arzneimittelkommission
der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-P

Die Ungereimtheiten der HPV-Impfung (Nov 07)

Veröffentlichung 9.11.2007

Pressemitteilung

mit Unterschriftenliste

Mit Kanonen auf Spatzen schießen?

Der Bundesverband der Frauengesundheitszentren und zahlreiche (Frauen-)
Gesundheitsorganisationen sind alarmiert. Vor einem Jahr wurde der Impfstoff
Gardasil® zugelassen – beworben als „Impfung gegen Krebs“. Diese pauschalisierte
Aussage ist irreführend und entspricht so nicht der Wahrheit, denn es gibt keine
Impfung gegen Krebs. Richtig ist: Die Impfung wirkt präventiv gegen die Humanen
Papilloma Viren (HPV) 6, 11, 16 und 18. Von diesen sind die Virustypen 16 und 18
nach heutigem Wissen für ca. 70 Prozent aller Gebärmutterhalskrebserkrankungen
mitverantwortlich. Es gibt mindestens elf weitere HPV-Typen, die ebenfalls an der
Entstehung dieses Krebses beteiligt sein können. Die Impfung bietet demzufolge
keinen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs insgesamt. Zu befürchten ist, dass
aufgrund dessen die Krebsfrüherkennungsuntersuchung, die weiterhin wichtig ist,
weniger in Anspruch genommen wird. Auch besteht die Gefahr, dass die Benutzung
von Kondomen zurückgeht, die einen großen Schutz vor sexuell übertragbaren
Infektionen bieten.

Doch damit nicht genug. Auch die Deutung der Zahlen und die Verbindung zwischen
HPV-Infektionen und Gebärmutterhalskrebs, mit denen die Impfung verkauft wird,
werden nicht differenziert genug und damit nicht korrekt dargestellt. Es wird von der
„zweithäufigsten Krebserkrankung junger Frauen (15 – 44 Jahre) gesprochen – was
stimmt – doch verschwiegen, dass in dieser Altergruppe Krebserkrankungen
insgesamt höchst selten sind und von Gebärmutterhalskrebs eher ältere Frauen
betroffen sind.

Die ImpfbefürworterInnen möchten alle Mädchen ab dem 13. Lebensjahr impfen.
Man könnte meinen, dass es sich bei Gebärmutterhalskrebs um eine sehr häufige
Erkrankung handelt. Dem ist aber nicht so. Nur 3,16% aller Krebsneuerkrankungen
und 1,8 % aller Krebstodesfälle von Frauen in Deutschland gehen auf ihn zurück.
Und diese wären auch ohne Impfung größtenteils vermeidbar gewesen. Zwar ist die
Infektion mit HP-Viren häufig. Circa 80 % der Menschen haben sie im Laufe ihres
Lebens – meist ohne sie zu bemerken, denn das Immunsystem macht sie
unschädlich. 10% dieser Infektionen bleiben bestehen und können
Zellveränderungen hervorrufen. Nur ca.1 bis 3% davon entwickeln sich über einen
Zeitraum von 12 bis 15 Jahren zu einem Gebärmutterhalskrebs. Die
Zellveränderungen (Dysplasien) sind bei der so genannten Krebsvorsorge mit dem Pap-Test meist gut zu erkennen und zu behandeln. Oft heilen sie von selbst aus.

Einen möglichen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs bietet die Impfung also nur einem
kleinen Anteil betroffener junger Frauen. Belege, dass durch die Impfung die Rate an
Gebärmutterhalskrebs wirklich gesenkt wird, gibt es bisher nicht. Wie auch – die zu
Grunde liegenden Studien laufen erst seit fünf Jahren. Und so schnell entwickelt sich
kein Krebs am Gebärmutterhals. Ob die Impfwirkung fünf Jahre oder länger anhält,
weiß heute niemand. Unklar ist auch, ob andere HPV-Typen die Stelle der HPV 16
und 18 besetzen werden.

Würden sich alle Mädchen und junge Frauen zwischen 12 und 17 Jahren, wie von
der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen, nun impfen lassen, würde das
im ersten Jahr über eine Milliarde Euro an Kosten für das deutsche
Gesundheitssystem bedeuten. In jedem weiteren Jahr kämen ca. 200 Millionen dazu,
wenn die jeweils zwölfjährigen Mädchen dann zur Impfung gingen. Zudem werden
bereits jetzt Frauen, die älter als 17 Jahre sind, geimpft, ohne vorherigen Test darauf,
ob sie bereits Kontakt mit HP-Viren hatten. Dies verursacht weitere Kosten. Der
Nachweis eines Nutzens steht aus. Viele Milliarden Euro werden so investiert und
fehlen an anderer Stelle. Es stellt sich die Frage, warum die Krankenkassen dies
mitmachen.

Mehr Zeit und größere Sorgfalt für die Bewertung der neuen Impfung sowie
Verhandlungen zur Preisreduktion (Deutschland: 465 €, USA ca. 280 €) wären
dringend von Nöten gewesen. Die aggressive Propagierung einer Impfung, deren
Nutzen überschätzt wird und deren Kosten immens sind, ist fragwürdig. Panikmache
und Indoktrination, wie zurzeit betrieben, sind sicherlich keine guten Ratgeber. Wir
fordern umfassende und unabhängige Informationen zur HPV-Impfung, eineÜberprüfung der Zulassung und eine Verringerung der Kosten – im Interesse der
Mädchen und Frauen.

Für Rückfragen wählen Sie bitte folgende Telefonnummern:

Karin Schönig, Tel. 089/129 11 95, Vorstandsfrau im Bundesverband der
Frauengesundheitszentren e. V., FrauenGesundheitsZentrum München e.V.

Cornelia Burgert, Tel. 030/213 95 97, Feministisches Frauen Gesundheits Zentrum e.V. Berlin

Im Folgenden finden Sie eine Unterschriftenliste von 37 Verbänden und
Gleichstellungsbeauftragten sowie 23 Einzelpersonen, die diese
Pressemitteilung unterstützen und unterzeichnet haben.

Verbände:
Ärzte für Individuelle Impfentscheidung e.V., Dr. S. Schmidt-Troschke, Vorstand
Herdecke
Arbeitskreis Frauengesundheit e.V., Karin Bergdoll, 2. Vorsitzende, Berlin-
Wilmersdorf
Beratungsstelle für Natürliche Geburt und Eltern-Sein e.V., Astrid Draxler,
Geschäftsleitung, München
Bundesverband Patienten für Homöopathie e.V. (BPH), Sieglinde Schulz,
Allgemeinärztin, Ärztliche Beraterin, Hardegsen
Bundesweites Shiatsupraktikerinnentreffen, Greta Schuler, Stuttgart
Caritasverband Rheine e.V., Jugendberatungsstelle /Jugendwerkstatt, Fachbereich
Kinder-, Jugend und Familienberatung, Rheine
Deutscher Frauenring e.V., Berlin
Frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V., Düsseldorf
Frauen- und Kinderschutzhäuser, Diakonisches Werk, Stuttgart
Frauenzentrum Troisdorf e.V., Troisdorf
Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland e. V., Dr. med. Matthias
Girke, Georg Soldner, Dr. med. Hendrik Vögler, geschäftsführende Vorstände,
Filderstadt Gesellschaft für Geburtsvorbereitung, Familienbildung und Frauengesundheit,
Landesverband Bayern e.V., Barbara Strehler-Heubeck, Mitglied des Vorstandes, München
Gesundheit Aktiv München, Anthroposophische Heilkunst e.v., Helke Mack,
Vorstand München
Gesundheit Aktiv Bad Liebenzell, Anthroposophische Heilkunst e.v., Heidrun
Loewer, Geschäftsführung
Gesundheitsladen München e.V., Informations- und Kommunikationszentrum,
München
GfG/ Gesellschaft für Geburtsvorbereitung – Familienbildung und
Frauengesundheit, Bundesverband e.V., Berlin
Heilpraktikerschule Bierbach, Elvira Bierbach, Bielefeld
iris-Fachfrauennetzwerk, Bildung und Gesundheit für Frauen, Susanne Kirchner,
Geschäftsführerin, Köln
Lachesis e.V., Berufsverband für Heilpraktikerinnen, Verein von Frauen zur
Förderung der Naturheilkunde, Renate Lodtka, Geschäftsführung, Werder/Havel
Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit in NRW e.V., 42107 Wuppertal
Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW e.V., Düsseldorf
LOBBY FÜR MÄDCHEN, Mädchenhaus Köln e.V., Beratungsstelle Köln
PatientInnenstelle München
Redaktion Gen-ethischer Informationsdienst (GID) Berlin
Unabhängige Patientenberatung Oberbayern, MünchenVerein demokratischer Ärztinnen und Ärzte e.V., Prof. Wulf Dietrich, Vorsitzender,
Maintal
Wir Frauen – Verein zur Förderung von Frauenpublizistik e.V., Düsseldorf

Gleichstellungsbeauftragte:
Ulrike Hauffe, Landesbeauftragte für Frauen des Landes Bremen, ZGF Bremen
Monika Ioannidis, Gleichstellungsbeauftragte Nettetal
Gilla Knorr, Frauenbüro der Stadt Düren
Birgit Kuballa, Gleichstellungsbeauftragte Stadt Herzogenrath
Frauke Lünstroth, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Selm
Regina Pramann, Gleichstellungsstelle Kreis Lippe, Detmold
Josefa Redzepi, Gleichstellungsbeauftragte Stadt Unna
Bärbel Schäfer, Gleichstellungsbeauftragte Seevetal
Tanja Schnur, Gleichstellungsbeauftragte Telgte
Sabine Schröder, Gleichstellungsbeauftragte Wagenfeld

Einzelpersonen:
Marlene Barth, Referentin für Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung
Gaby Beckmann, Frauenreferentin, Bündnis 90/Die Grünen, Landtag NRW
Privatdozent Dr. med. habil. Werner Behrendt, Frauenarzt, Onkologe, Ehem.
Vorstandsmitglied der NATUM in der DGGG, Hanau
Susanne Bischoff, Dipl. Sportlehrerin, Sport- und Bewegungstherapeutin, Bad
Gandersheim
Eva-Maria Chrzonsz, freiberufliche Hebamme, Fulda
Marianne Fischer, Erzieherin in der Arbeit mit jungen Frauen, Künzell
Prof. Dr. Ingrid Gerhard, Ehrenvorsitzende der Natum e.V., einer
Arbeitsgemeinschaft in der Dt. Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.,
Heidelberg
Carmen Härtle, Heilpraktikerin, Nürnberg
Margaretha Hölldobler-Heumüller, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Bündnis
90/Die Grünen, Landtagsfraktion Hessen, Sprecherin für Wirtschaft und Frauen,
Vorsitzende des Kulturpolitischen Ausschusses
Dr. med. Christine Klemm, Patientenberaterin Hamburg
Prof. Dr. Petra Kolip, Universität Bremen, Fachbereich 11, Bremen
Olivia Maschke, Heilpraktikerin
Nicole Müller-Wenzlaff, Dipl.-Sozialarbeiterin, Rheine
Steffi Pfeil, Heilpraktikerin, Niebüll
Elke Röhl, Heilpraktikerin, Holzen
Dr. med. Thomas M. Ruprecht, Hamburg
Dr. Anne-Nele Schmidt, Heilpraktikerin, Berlin
Kathrin Schmidt, Sozialarbeiterin, Perleberg
Elena Schmidt-Weinert, Dipl Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin, Hildesheim
Christiane Setzer, Heilpraktikerin, Essen
Hans U. P. Tolzin, Herausgeber der Zeitschrift „impf-report“, Vorsitzender des
Vereins „Arbeitsgemeinschaft Bürgerrecht und Gesundheit e.V.“ (AGBUG),
Leinfelden-Echterdingen
Barbara Wais, Geschäftsführerin
Silke Wonneberger, Heilpraktikerin, Lübeck